Benelli M2 Speed

Ich stelle euch meine Selbstladeflinte vor, die Benelli M2 Speed.

11/29/20258 min read

Abbildung 1: Meine Benelli M2, Originalzustand ohne Modifikationen. Die Selbstladeflinte ist gebaut für den IPSC-Sport. Optisch und funktional ist sie von Werk aus absolut auf Racing getrimmt. 

Da ich neben dem ambitionierten Training mit der Kurzwaffe noch einen Ausgleich haben wollte, habe ich mir eine Flinte gekauft. Inspiriert haben mich die vielen Videos zum IPSC Flinten-Schießen auf YouTube. Da ich ein Herz für Halbautomaten habe, sollte es eine Selbstladeflinte sein. Das macht auch das Beantragen beim Verband einfacher. Denn eine halbautomatische Flinte belastet das Grundkontingent von Sportschützen für drei Halbautomaten. Eine Vorderschaftrepetierflinte dagegen ist als Repetierer nicht im Grundkontingent vorgesehen, da diese eigentlich auf die gelbe WBK kommen. Da eine Pumpgun aber per Degret auf die Grüne WBK zu kommen hat, muss ein besonderes Bedürfnis durch Wettkämpfe mit der Langwaffe nachgewiesen werden, um die Bestätigung des Bedürfnises vom Verband zu bekommen. Diese Situation finde ich persönlich sehr spannend, da theoretisch eine größere Gefährdung von der Selbstladeflinte ausgeht, diese aber einfacher genehmigt wird.

Da ich mich sportlich fast ausschließlich für IPSC Disziplinen interessiere, musste die Zukünftige Flinte natürlich das Potenzial dazu haben. Das IPSC mit Flinten erfreut sich einer großen Beliebtheit und es gibt zahlreiche Beispiele für modifizierte Flinten im Internet zu finden. Kriterien für eine konkurrenzfähige Flinte sind ein Magazin, dass möglichst 10 Schuss fasst, eine erweiterte Ladeklappe, um möglichst schnell mehrere Patronen mit einer Hand nachzuladen (Quadload) und die Möglichkeit Chokes zu wechseln. Die Erweiterung der Ladeklappe muss seit 2020 von einem Büchsenmacher durchgeführt werden und anschließend muss die Waffe neu beschossen werden, da das Gehäuse ein waffenrelevantes Teil ist. Bei dieser Arbeit wird die Öffnung um den Ladelöffel ausgefräst und anschließend poliert, um das Einführen der Patronen zu erleichtern, ähnlich einem Magazintrichter bei Pistolen.

Abbildung 2: Beispiel für eine überarbeitete Selbstladeflinte. Die Öffnung zum Einführen der Patronen wurde großzügig ausgefräst und anschließend, wie auch der ladelöffel poliert. Durch die Bearbeitung steht der Ladelöffel deutlich weiter heraus, teilweise über das Gehäuse. Der Abzugsbügel wurde ersetzt durch einen erweiterten, mit einer Verbreiterung um die Patronen beim Quadload noch sicherer in die Ladeklappe zu führen. Auch wurde der Ladehebel auf die linke Seite umgesetzt. Quelle: Briley Gunsmithing, 2025, https://www.brileygunsmithing.com/c-1051-open-loading-port.aspx.

Benelli hat mit der M2 Speed erstmals eine Selbstladeflinte auf den Markt gebracht, die "out of the box" all die Features mitbringt die zuvor durch umfassendes Tuning nötig waren, um im IPSC Flinte konkurrenzfähig zu sein. Von Haus aus ist die Ladeöffnung extrem weit ausgeschnitten, sodass bereits der rote Follower des Magazins hervorsteht. Der Abzugsbügel ist bereits verbreitert und mit einer Rampe zum geschmeidigen Einführen von zwei Patronen hintereinander in die Ladeklappe ausgestattet. Quadloads sind damit wunderbar zu üben und machen es mir als Laie sehr einfach direkt Erfolgserlebnisse zu sammeln.

Abbildung 3: Detailaufnahme der Unterseite der Benelli M2 Speed. Schön zu sehen sind die Messingspuren am erweiterten Abzugsbügel von Quadloads. Der Follower des Magazins leuchtet im roten Aluminium aus dem Magazinrohr heraus, auf Grund des weit ausgeschnittenen Ladefensters. Wie bei Custom-Flinten steht der Ladelöffel deutlich heraus.

Durch die recht lange Standardfeder im Magazin passen eventuell nur neun Schuss rein. Zu empfehlen ist ein Kürzen der Magazinfeder um ca. 20 cm. Dadurch ist auch das Einführen von mehreren Patronen auf einmal deutlich einfacher. Mehr Kürzen würde ich mit Vorsicht genießen. Bei der Jagd auf eine Kapazität von zehn Patronen mit jeder Länge, habe ich meine Feder direkt am ersten Tag geschrottet. Es passten zwar von allen Munitionssorten zehn Patronen in die Röhre, aber die Feder war zu schwach um die letzte Patrone auf den Ladelöffel zu schieben. Jetzt habe ich eine von Toni System als Ersatz verbaut. Hier habe ich mich haargenau an die Anleitung zum Einbau gehalten. Mit kurzen Patronen habe ich jetzt eine Kapazität von 10 Schuss. Mit langen Hülsen kann es sein, dass nur neun passen. Dafür funktioniert alles zuverlässig. Übertreibt es einfach nicht...

Abgesehen von den Ausfräsungen ist die Flinte optisch sehr sportlich getrimmt. In Deutschland kommt die Flinte mit einem 10 Schuss Röhrenmagazin, wo erlaubt mit einem 12 Schuss Magazin. Ich habe mich für die kurze Variante mit 61 cm langem Lauf entschieden. So steht das Magazin einige Zentimeter über, was ich optisch cool finde. Theoretisch spare ich so auch einige Gramm an Gewicht, was das Manövrieren mit der Flinte erleichtert. Weiter ist direkt ein vergößerter Durchladehebel im Stil von Toni System aus rot-eloxiertem Aluminium verbaut. Dieser hat die Größe und Form des kürzeren Durchladehebels von Toni, es geht also noch eine Nummer größer wer möchte. Ebenfalls in rotem Aluminium gehalten sind die Überwurfmutter des Magazins und die kreuzförmige Klemme welche Lauf und Magazin miteinander verschränkt. Durch die roten Eloxalteile ergibt sich ein sehr stimmiger und racy Production-Look. Durch das unendliche Angebot an Zubehör ist es aber auch möglich die Flinte farblich auf die eigenen Wünsche abzustimmen.  

Abbildung 4: EIn Beispiel von IPSC-Shotgun wie man eine M2 Speed nach seinem Geschmack gestalten könnte. Das Magazin wurde durch eine Röhre von Toni System ersetzt, wodurch die rote Überwurfmutter wegfällt. Die restlichen roten Aluminiumteile wurden durch silberne ersetzt. Zusätzlich wurde eine Picatiny-Schiene zu Optikmontage auf das Gehäuse gesetzt. Quelle: IPSC-Shotgun.de, 2025, https://ipsc-shotgun.de/.

Schade ist, dass Benelli die Speed Serie nicht mit einer Möglichkeit zur Montage von Optiken ausgestattet hat. Das ist für mich heutzutage eine Option die an jeder Waffe gegeben sein sollte. Zum Zielen ist eine ventilierte Rippe über dem Lauf montiert. Die Rippe hat feine Querrillen um bei verschiedenen Lichtverhältnissen eine matte Oberfläche sicherzustellen. Vorne auf der Rippe ist ein roter Lichtsammler als Korn verbaut. Für genaueres Zielen mit beispielsweise Slugs ist eine klappbare Kimme in der Rippe eingebaut. Diese ist seitlich verstellbar, die Höhe ist fix. Grundsätzlich funktioniert das System ganz gut, bei Slugs muss man den Haltepunkt für sich auf jeden Fall selbst austarieren. Ich schieße sonst aber auch ausschließlich mit Optik, deshalb ist meine Einschätzung zur Qualität der Visierausrichtung nicht unbedingt aussagekräftig. Alles macht aber einen hochwertigen Eindruck.

Abbildung 5: Links oben ist das Fiberglaskorn zu sehen. Unter der Beleuchtung ist das Leuchten des Korns gut zu erkennen. Rechts oben ist die Klappkimme im eingeklappten Zustand gezeigt. Zu sehen ist auch die Riffelung der Rippe. Unten links ist das Visierbild mit eingeklappter Kimme zu sehen, beispielsweise beim Schießen auf Fallscheiben oder Tontauben. Rechts unten das Visierbild mit aufgeklappter Kimme zum Schießen mit Slugs, beispielsweise bei Mehrdistanz.

Wer lieber mit Optik schießen möchte muss leider entweder den Aufwand auf sich nehmen die Waffe bei einem Büchsenmacher mit Gewinden ausstatten und neu beschießen zu lassen, oder eine Klemmmontage auf der Rippe verwenden. Letzteres habe ich selbst noch nicht getestet und kann zur Stabilität keine Aussage treffen, es wäre aber ein Versuch dem ich angetan wäre. 

Abbildung 6: Universal Klemmmontage von Warne um kleine Rotpunktvisiere auf der Rippe von Flinten zu montieren. Quelle: warnescopemounts.com, 2025, https://warnescopemounts.com/6108m-red-dot-shotgun-rib-reflex-mount/.

Mit der Flinte kommen insgesamt fünf verschiedene Chokes und ein Montagewerkzeug, um die Chokes einzusetzen. An dem Werkzeug ist auch ein Gewindeschneider angebracht, um Anbackungen im Gewinde zu lösen. Mitgeliefert werden ein 1/4-Choke (****), was einem Improved Cylinder entspricht. Da dieser Choke fast einem Cylinder entspricht nutze ich ihn für Slugs. Weiter kommen jeweils ein 1/2 (***) und ein 3/4 (**) Choke mit der Flinte. Zusätzlich werden noch zwei spezial Chokes geliefert. Einmal der "Ampliator", der eine Art Felder und Züge hat und eine besonders starke Streuung verursachen soll. Er wird empfohlen für eine gute Deckung auf sehr kurzen Distanzen. Der zweite "Spezial-Choke" ist der Long Shot, der die Garbe auf besonders langen Distanzen zusammenhalten soll. Ich nutze ihn auch mit leichten 24 g Patronen für Fallscheiben auf 15 m. Die speziellen Chokes stehen aus dem Lauf hervor und sind durch einen roten Aluminiumring gekennzeichnet. Sind diese Chokes verbaut, sieht die Flinte nochmal sportlicher aus.

Abbildung 7: Links abgebildet sind die mitgelieferten Chokes und das Montagewerkzeug mit Gewindeschneider zur Reinigung. Mitgeliefert werden 1/4-Choke (****, oben auf der Kiste), 1/2-Choke (***), 3/4-Choke (**), "Ampliator"-Choke mit Feldern und Zügen für eine extreme Streuung (rechts) und ein Long Shot Choke (aktuell in der Flinte verbaut).

Abbildung 8: Detailaufnahme der Mündung der Benelli M2 Speed. Eingebaut ist der rot-markierte Sport-Choke, der eine besonders enge Garbe erzeugen soll. Damit soll das Beschießen von Zielen auf weite Distanzen erleichtert werden. Für mich funktioniert er auch gut beim Fallscheiben-Schießen auf 15 m mit leichter 24 g Munition. Durch die enge Garbe fallen die Platten auch mit den leichten Geschossen sicher um. Am wichtigsten ist aber die rote Aluminiummarkierung am Choke - damit sieht die Waffe noch cooler aus. 

Die Benelli M2 Speed ist ein direkter Rückstoßlader mit einem Drehkopfverschluss. Benelli nennt das System "Inertia Driven System" weil keine Verbrennungsgase für den Antrieb in die Waffe geleitet werden. Im Gegensatz zum Gasdrucklader Benelli M4, ist die M2 ein Allesfresser. Auch leichte 24 g Patronen laufen einwandfrei in der Flinte. Durch die Möglichkeit so leichte Munition zu verwenden, lässt sich der Rückstoß für die dynamischen Disziplinen auch gering halten. Die Flinte ist sehr leicht und lässt sich dadurch sehr einfach handhaben. Mit den großen Bedienelementen ist die Bedienung sehr intuitiv und auch in stressigen Situationen einfach. Der Abzug ist für mein Empfinden leicht genug für sportliches schießen und braucht keine weitere Überarbeitung. Diese Einschätzung gilt aber auch für die gesamte Waffe. Abgesehen vom Kürzen der Magazinfeder, sehe ich keinen Bedarf etwas an der Flinte etwas zu optimieren. Wer möchte kann sich beim optischen Tuning austoben, oder noch einen Match Saver installieren. Die Performance der Waffe wird aber, nach meiner Einschätzung, niemandem im Weg stehen. Wer also Lust auf eine Premium Selbstladeflinte im sportlichen Stil hat, ist mit der Benelli M2 Speed gut beraten. 

Abbildung 9: Die Benelli M2 lässt sich einfach und schnell zerlegen. Würde man die Schraube des roten Aluminiumkreuzes gegen eine Rändelmutter o.ä. tauschen, könnte man die Waffe werkzeuglos in die gezeigten Bestandteile trennen. Das macht eine Pflege einfach, bietet sich aber auch für den Transport an. Da die Waffe ca. 120 cm lang ist, werden sehr lange Koffer benötigt um die Flinte am Stück zu transportieren. Zerlegt wäre nur ein Bruchteil der Länge nötig.