HK 416C - wie Compact oder Canceled?
Das HK416C war eine Personal Defence Weapon (PDW), welche als Variante der ersten Generation der HK416 gebaut wurde. Aber ist die HK416C einfach nur eine sehr kurze 416? Hier erkläre ich die Unterschiede.
10/21/20258 min read


Abbildung 1: Nachbau einer Heckler und Koch HK416C auf Basis einer MR556, der amerikanischen Variante der zivilen HK416, hergestellt und vertrieben von Black Ops Defense. Quelle: Black Ops Defense, 2025, https://blackopsdefense.com/product/hk-416c-conversion/
Das HK416C von Heckler und Koch ist die kürzeste Variante der ersten Generation des HK416, welches, laut Datenblatt, ca. 2010 entwickelt wurde. Zielgruppe waren vor allem unterstützende Kräfte, die eine Waffe zur persönlichen Verteidigung führen. Daher wird die HK416C teilweise als HK416 PDW (Personal Defense Weapon - Persönliche Verteidigungswaffe) bezeichnet. Sofort ins Auge springen bei der kürzesten Variante der HK416 der besonders kurze Lauf von nur 9 Zoll und der minimalistische Schubschaft, mit einer deutlich kürzeren Buffer Tube. Weiter ist die erste Generation des HK416 am fast horizontalen Abschluss des Magazinschachts und der typischen, aus einem Stück gefrästen, Quadrail erkennbar.
Im zusammengeschobenen Zustand des Schafts ist die HK416C genauso groß wie eine standard MP5 (ebenfalls zusammengeschoben). Damit ist die Waffe genauso führig wie die bewährte und kompakte Maschinenpistole, hat aber mit der 5,56 x 45 mm eine deutlich leistungsstärkere Patrone.


Abbildung 2: Größenvergleich zwischen der Maschinenpistole Heckler und Koch MP5 im Kaliber 9 mm und der HK416C im Kaliber 5,56 x 45 mm. Im eingeschobenen Zustand sind beide Waffen in etwa gleich groß. Quelle: Cpt Rex, HKPro.com, 2021, https://www.hkpro.com/threads/hk416c-build.333546/page-11
Um diesen kompakten Formfaktor zu erreichen hat Heckler und Koch nicht einfach einen kürzeren Lauf verbaut und das Pufferrohr gekürzt. Die HK416C hat mehrere Komponenten verbaut, die allein für die PDW angefertigt wurden. Dabei handelt es sich vor allem um Modifikationen von Bauteilen der regulären HK416. Der Schubschaft, in den die Buffer Tube integriert ist, ist aber eine vollständige Neukonstruktion.
Der Schaft ist von dem Schubschaft der MP5 inspiriert und lässt sich vollständig bis zum Ende der Buffer Tube einschieben. Geführt wird der Schaft von zwei runden Stahlstangen, die in Führungen an der Buffer Tube laufen. Im eingeschobenen Zustand werden die Stangen durch die Ösen der Endplate des Recievers geführt und zusätzlich von Führungen im Lower-Reciever gesichert. Letztere werden durch extra Gewinde im Gehäuse eingeschraubt, wie in den Bildern zu erkennen ist.
Innerhalb des Schubschaftes wird eine spezielle Pufferfeder für das HK416C durch eine Federführung in Position gehalten. Das ist im Vergleich zu den Buffer Tubes des standard 416 besonders, da die Feder normalerweise direkt am Ende des Pufferrohrs anliegt.




Abbildung 3: In Einzelteile zerlegter Schubschaft einer HK416C. Oben in silberner Farbe die Endkappe der Buffer Tube mit Federführungsstange. Quelle: ZIB-Militaria, 2025, https://www.zib-militaria.de/epages/61431412.sf/en_GB/?ObjectPath=/Shops/61431412/Products/91163
Abbildung 4: Detailaufnahme eines Nachbaus der PDW für den zivilen Markt. Oberhalb der Seriennummer ist die Führung für die Schubschaftstange eingeschraubt. In der ersten Position des Schafts ist der Schaft vollständig eingeschoben und wird durch die zusätzliche Führung unterstützt. Quelle: Black Ops Defense, 2025, https://blackopsdefense.com/product/hk-416c-conversion/
Beim System der standard HK416 liegt der Bolt Carrier (Verschlussträger) am Kolben (Buffer) an, welcher die Federkraft der Pufferfeder flächig auf den Boltcarrier überträgt. Beim Schuss bremst die Feder im Pufferrohr die Rückwärtsbewegung und führt den Verschluss wieder nach vorne. Gewichte im Buffer verzögern die Rückwärtsbewegung durch die Massenträgheit. Das Puffersystem wird durch einen Pin im Gewinde des Lower Recievers im Pufferrohr gehalten. Eine Nut im Boden des Verschlussträgers sorgt dafür, dass dieser nach dem Schuss in die Buffer Tube gleiten kann. Das System ist also identisch zum AR15 System. Detailaufnahmen sind in den Bildern zu sehen.




Abbildung 4: Hinteres Ende des Verschlussträgers einer standard HK416. Am Boden des Verschlussträgers ist die Nut erkennbar, um über den Buffer Stop zu gleiten. Quelle: ZIB-Militaria, 2025, https://www.zib-militaria.de/HK416-Verschlusstraeger-HK
Abbildung 5: Unteres Gehäuse einer MR556 A1, der zivilen Variante der HK416 für den US-Markt. Zu erkennen ist der Kolben mit einer roten Farbmarkierung in der Buffer Tube, gehalten durch den Sicherungspin. Quelle: GunsInternational.com, 2025, https://www.gunsinternational.com/guns-for-sale-online/rifles/heckler---koch-rifles/new---unfired-hk-mr556-complete-lower-receiver.cfm?gun_id=101259634
Bei der PDW Variante gibt es keinen Buffer der den Kontakt zwischen Verschlussträger und Feder herstellt. In diesem Fall wird die Feder in den Verschlussträger eingeführt. Dazu wurde dem Ende des Verschlussträgers ein größerer Innendurchmesser spendiert. Auch auf die Nut an der Unterseite wurde verzichtet, da der Pin zum Blockieren des Buffers überflüssig ist. Interessant ist die Frage, wie sich die Waffe mit diesem System zerlegen lässt, denn die Feder verbindet quasi oberes und unteres Gehäuse. Vermutlich lässt sich damit auch die Federführung im Ende des Schafts erklären. Um die Waffe zu zerlegen muss das Ende der Buffertube herausgedreht werden, um die feder zu entnehmen. Damit die Feder beim Einführen in das Puffersystem nicht ständig vom Deckel der Buffer Tube abrutscht wird diese durch den Guide Rod fixiert. Dieses Detail hat also wohl eher einen praktischen Nutzen, als eine technische Funktion.


Abbildung 6: Produktbild von ZIB-Militaria eines originalen Verschlussträgers einer HK416C. Im Vergleich zu Abbildung 4 ist gut der größere Innendurchmesser zu erkennen und die fehlende Nut an der Unterseite. Quelle: https://www.zib-militaria.de/HK416-Verschlusstraeger-PD-HK


Abbildung 7: Zusammenstellung von charakteristischen Teilen einer HK416 PDW. Unten im Bild ein Beispiel der Pufferfeder, die in den Verschlussträger hineinragt. Quelle: UMP45 ENTRY, hkpro.com, 2018, https://www.hkpro.com/threads/hk416-mr556-pdw-stock-opinions-and-advice.442129/
Die HK416 Plattform ist ein indirekter Gasdrucklader, was sie von den AR15 Systemen mit direktem Gassystem unterscheidet. In die Entwicklung des Systems hat Heckler und Koch seine Erfahrung mit dem G36 einfliesen lassen. Unten zu sehen ist im vergleich der Gaskolben und das Gasgestänge der standard HK416 Gewehre und andererseits das System der HK416C. Bei der PDW wurde das Gasgestänge deutlich gekürzt und auch die Länge des Kolbens reduziert. Interessant ist hier, dass ZIB-Militaria - welche vor der Waffenrechtsverschärfung 2020 Überschüssige Teile von Kriegswaffen vertrieben, da diese zu diesem Zeitpunkt keine waffenrelevanten Teile waren - den Kolben der PDW als Gaskolben für HK416 PDW und G36C bezeichneten. Sollte dieser Titel korrekt sein, wäre das ein interessanter Hinweis auf das zurückgreifen auf frühere Konzepte von Heckler und Koch.
Die Gasabnahme wurde in einem Video von Mil-Spec Monkey auf der Shot Show 2011 als einstellbar mit zwei Positionen vorgestellt. Im Griff versteckt sich ein Werkzeug zum umstellen der Gasabnahme von Normalbetrieb auf Schalldämpfer. Dieses Feature ist jedoch nicht exklusiv für die PDW, sondern für alle Modelle der 416 Reihe verfügbar gewesen. Da ich bisher keine speziellen Gasabnahmen für die 416C finden konnte und Nachbauten auf die 10" Gasabnahme zurückgreifen, ist davon auszugehen, dass die Gasabnahme der 10" Variante verbaut wurde.







Abbildung 10: Ein Nachbau einer HK416C ohne Handschutz. Zu sehen ist die Prägung der 10" Gasabnahme und das gekürzte Gassystem. Der Kolben verschwindet bis zum Rand in der Gasabnahme. Das kurze Gasgestänge liegt mit dem Konus am Gaskolben an. Für eine vollständige Darstellung wären der passende Mündungsfeuerdämpfer und das Klappkorn zu ergänzen. Quelle: Chester County Armory, 2025, https://chestercountyarmory.com/product/heckler-koch-hk416-pdw-5-56mm-nato-transferable-dias-machine-gun/
Abbildung 8: Im oberen Teil des Bildes ist der Gaskolben des Gasgestänges einer standard HK416 zu sehen. Unten ist das Gasgestänge abgebildet. Das linke Ende des Gestänges wird ca. 10 mm in das hintere Ende des Gaskolbens eingeführt. Quelle Oben: ZIB-Militaria, 2025, https://www.zib-militaria.de/epages/61431412.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61431412/Products/90134. Quelle Unten: ZIB-Militaria, 2025, https://www.zib-militaria.de/epages/61431412.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61431412/Products/90504
Abbildung 9: Oben gezeigt ist der Kolben einer HK416C, bzw. eines G36C. Das hintere Ende des Kolbens ist deutlich gekürzt worden, sodass der Kolben nahezu vollständig ind er Gasabnahme verschwindet. Unten ist das Gasgestänge zu sehen, das auf der linken Seite deutlich gekürzt wurde. Quelle Oben: ZIB-Militaria, 2025, https://www.zib-militaria.de/epages/61431412.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61431412/Products/90808. Quelle Unten: ZIB-Militaria, 2025, https://www.zib-militaria.de/epages/61431412.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61431412/Products/100235
Obwohl die HK416C nie in Serie produziert wurde, strahlt sie eine Faszination auf Fans und Sammler aus. Da es sich einerseits um eine sehr seltene Waffe handelt, von der es nur geringe Stückzahlen gefertigt wurden und andererseits um eine Kriegswaffe ohne ziviles Pendant, gibt es einige Firmen die sich damit befassen ganze Nachbauten zu verkaufen oder Teile und Kits für Bastler. In Deutschland ist so ein Umbau nicht ganz so einfach, da es sich bei einem Nachbau einer HK416C auf Basis einer MR223 A1 anschließend um eine Kurzwaffe handeln würde, da die Gesamtlänge mit eingeschobenem Schaft bei 56 cm liegt. Wer es trotzdem wagt, müsste sich seinen Lauf kürzen lassen und das passende Gasgestänge besorgen. Herausfordernd wird es beim Verschlussträger, welcher ausgedreht werden müsste, um vollständig originalgetreu zu sein. Die Website HKParts.net bietet als Alternative aber auch eine echte drop in Lösung an, bei der ein kleiner Buffer mit einer kurzen Pufferfeder mit dem Schubschaft geliefert wird. Das System wird genau wie das originale Puffer System verbaut, sodass der originale Verschlussträger genutzt werden kann.


Abbildung 11: Drop in Lösung für MR223/556C Builds, verkauft durch HK Parts. Mit dem Schubschaft kommt eine Passende Pufferfeder und einem kurzen Buffer mit passendem Gewicht. Quelle: HKParts.net, 2025, https://hkparts.net/all-parts/hk-mr556-416-ar15-m4-stock-pdwc-extended-buttpad/?query_id=aa109a04c8ab830af03d818308f8330b
Mit gekürztem Lauf, Schubschaft und funktionierendem Gassystem fehlen nur noch wenige Kleinigkeiten für den perfekten original Look. Als Mündungsfeuerdämpfer ist ein Vortex Flash Suppressor von Smith Enterprise auf der originalen HK416C verbaut. Darüber liegt das HK Klappkorn für die Gasabnahme der 416 Reihe. Ein weiteres Detail ist der Handstop inklusive Ösen an der 6 Uhr Rail des 7" Handguards. Dieser wird an das vordere Ende geschraubt. Abschließend fehlen nur noch die Bohrungen im Reciever für die Führungen der Stangen des Schafts.
Bei dem skizzierten Aufwand für diese Arbeiten an einer scharfen MR223 wird die Anleitung für den Umbau wahrscheinlich in den meisten Fällen akademisch bleiben... Vielleicht reicht doch ein GBB Airsoft Modell des Herstellers VFC...
Abbildung 12: Vergleich der Hand Stops der G36C und UMP links und dem Handstop der HK416C rechts. Bei der Variante der HK416C ist der Durchbruch in richtung Mündung größer, um Platz für die Bajonettaufnahme der Gasabnahme zu schaffen. Zusätzlich fehlt die Schraubenführung, wie links bei der Variante des G36C, da der Hand Stop direkt in ein Gewinde in der Picatinny Schiene geschraunt wird. Quelle: ctyatty, HKPro.com, 2022, https://www.hkpro.com/threads/handstop-for-416c-quad-rail.549359/

