JP5 - Hands On

Hier gehe ich auf die Details der JP Enterprise JP5 ein. Anhand selbstgeschossener Detailaufnahmen vertiefe ich die Einblicke in das Roller-Delayed-System.

4/6/20265 min read

Abbildung 1: In Deutschland sportlich zugelassene Version der JP5, importiert durch 3G-Sports.

Ich hatte durch einen Freund die Möglichkeit eine JP5 genau zu begutachten und einige Detailaufnahmen zu machen. Die Waffe wurde durch 3G Sports Importiert und hat einen BKA Bescheid für das sportliche Schießen, da der Handschutz ohne Durchbrüche ausgeliefert wird. Das Carbon des Handschutz' ist mattes Forged Carbon und schimmert unterschiedlich je nach Lichteinfall, was ich persönlich optisch sehr ansprechend finde. 

Durch die AR9 Bauform sind die Bedienelemente intuitiv zu finden. Ladehebel am Hinterteil des Obergehäuses, 45°-Sicherung, jeweils beidseitiger Magazinauslöseknopf und Verschlussfanghebel. Bei einem Preis von 5000€ zu erwarten. 

Abbildung 2: Detailaufnahme des Gehäuses der JP5.

Auch wenn die JP5 in der Bedienung einer AR15 gleicht, unterscheidet sich die Funktion im unteren Gehäuse leicht. Der Abzug entspricht dem AR15 Format, wodurch beliebige Tuning-Trigger verbaut werden können. Auch die Buffer Tube ist in ihrer Funktion identisch zum Pendant in .223 Rem. JP nutzt hier ihre Silent Captured Spring SCS Systeme, für ein weicheres Schussgefühl. 

Im vorderen Teil des Gehäuseunterteils befinden sich zusätzliche Bauteile um die gewohnten Funktionen zu ermöglichen. Im Bereich der Abzugsgruppe ist der Ausstoßer verbaut, in der Form ähnlich zur MP5. Unmittelbar vor der Verbindung von Gehäuse-Ober- und Unterseite sitzt ein Haken. Dieser Haken dient als Übertrag für den Magazinfanghebel. Bei leergeschossenem Magazin drückt der Follower des Magazins den Haken nach oben, welcher den Verschlussfanghebel aktiviert.

Abbildung 3: Unteres Gehäuse der JP5.

Das Zerlegen der Waffe funktioniert fast identisch zum AR15. Das Gehäuse-Oberteil mit eingebauter Verschlussgruppe sieht auf den ersten Blick ebenfalls aus wie ein .223 Rem. Beim zweiten Blick fällt der Verschlusskopf auf, sowie das eingepasste Verriegelungsstück im vorderen Teil.

Abbildung 6: Oberer Teil der JP5. Auf den ersten Blick ein AR15, auf den zweiten Blick ist der MP5-artige Verschlusskopf zu erkennen.

Während das Gehäuse aus Aluminium gefertigt ist, ist das Verriegelungsstück aus Stahl gefertigt. In das Verriegelungsstück sind die Taschen für die Verzögerungsrollen eingearbeitet und es dient als Anschlagspunkt für den Verschlusskopf. Der Lauf der JP5 wird in das Verriegelungsstück eingeschraubt, wobei der Abstand von Stoßboden zum Lauf durch ein Gewinde eingestellt werden kann. Dazu wird der Lauf bis zum passenden Abstand eingeschraubt und anschließend mit einer Mutter gekontert. 

Abbildung 4: Detailaufnahme der Innenseite des oberen Gehäuses der JP5. Das Verriegelungsstück aus Stahl ist in den Aluminiumkörper des Gehäuses eingepasst. Seitlich vor der Kammer sind die Taschen zur Verzögerung der Rollen zu erkennen.

Läufe für eine JP5. Der rechte Lauf ist ein Originalteil mit einer Kontermutter (schwarzes Teil). Der linke Lauf ist ein Austauschlauf der speziell für die bestimmte Waffe eingepasst wurde.

Die Verschlussgruppe ist ein Hybrid aus einem AR15 Verschlussträger und einem MP5 Verschlusskopf. Durch den rollenverzögerten Verschluss kann der Verschlussträger sehr leicht gebaut werden. Das zerlegen der Verschlussgruppe erfolgt durch ein einfaches Drehen des Verschlusskopfes, der anschließend abgezogen werden kann. Anschließen wird das Steuerstück im Verschlussträger gedreht und abgezogen. Mit dem Steuerstück kommen auch Schlagbolzen und dessen Rückstellfeder entgegen. 

Abbildung 5: Verschlussgruppe der JP5. AR15 ähnlicher Verschlussträger und MP5 inspirierter Verschlusskopf.

Abbildung 7: Verschlussträger der JP5.

Der Verschlusskopf ist nahezu identisch mit dem MP5 Verschlusskopf. Rollen, Auszieherfeder, Schlagbolzen und Schlagbolzenfeder sind mit Heckler und Koch Teilen untereinander austauschbar. Die anderen Bauteile haben leichte Änderungen erfahren, wodurch sie technisch nicht mehr austauschbar sind, die Unterschiede sind aber marginal. Ohne Druck der Verschlussfeder auf das Steuerstück und weiter auf die Verzögerungsrollen, sind die Rollen im Verschlusskopf freifliegend. Eine Clip im Inneren des Verschlusskopfes hindert sie am Herausfallen. 

Abbildung 6: Verschlusskopf der JP5. Die Rollen können sich frei bewegen und werden durch einen Clip am Rausfallen gehindert.

Steuerstück, Schlagbolzen und Schlagbolzenfeder sind identisch zu den Bauteilen von Heckler und Koch. JP bietet diese Bauteile aber auch selbst an, hauptsächlich aus Verfügbarkeitsgründen, wie mir auf der IWA erzählt wurde. So kann man sich entscheiden, ob Ersatzteile über JP oder HK bezogen werden sollen. Auch stehen durch die verchiedenen Steuerstücke von HK einige zusätzliche Steuerkurven zur Verfügung. Ob diese zu sinnvoll zu gebrauchen und beziehen sind ist eine andere Frage.

Abbildung 8: Steuerstück (60°) der JP5 mit Schlagbolzen und Schlagbolzenfeder.

Die JP5 kommt ab Werk mit einem Kompensator mit drei Kammern, der die Pulvergase nach Oben ableitet. Der Kompensator ist mit dem Lauf verschweißt und verstiftet um nach US Recht eine Lauflänge von 16" zu erreichen. In der vorliegenden Waffe ist der Kompensator aus Edelstahl gefertigt. In dieser Konfiguration sammelt sich sehr schnell Dreck in den Kammern, der nur mit mechanischer Gewalt zu entfernen ist. Neuere Varianten des Kompensators sind aus Titan gefertigt, was auch weniger anfälliger für Ablagerungen zu sein scheint. 

Abbildung 7: Kompensator der JP5. Der Kompensator hat drei Kammern, die die Pulvergase nach Oben ableiten. Der Kompensator ist geschraubt, verschweißt und verstiftet.

Bei Fragen zu weiteren Details der JP5 schreibt mir gerne eine Nachricht. Ich habe noch viele weitere Detailaufnahmen und Möglichkeiten zur Untersuchung dieser Systeme, die hier vorerst zu weit führen würden.