OPOS Venator - Hands On

Auf der IWA 2026 durfte ich die OPOS Venator im Detail begutachten und mich mit den Menschen hinter OPOS über ihre Entwicklung unterhalten.

3/27/20266 min read

Opos Venator mit Aimpoint Acro
Opos Venator mit Aimpoint Acro

Abbildung 1: Opos Venato mit einem Aimpoint Acro als Optik. Die Optik ist so montiert, dass sie sich beim Schuss nicht mit dem Verschluss bewegt. Die Waffe lässt sich durch verschiedene Magazintrichter und Griffmodelle auf den Schützen anpassen. Zu erkennen ist auch der Sportabzug mit einem breiten und angerauten Sicherungszüngel.

Opos stellte auf der IWA 2026 mehrere Konfigurationen ihrer Pistole Venator vor. Opos richtet sein Produkt besonders an das IPSC- Schießen. So erfüllten die Konfigurationen jeweils Anforderungen der aktuell populären IPSC Divisions. Ausnahme war das Setup aus Abbildung 1, welches die Möglichkeiten als Gebrauchswaffe zeigen soll. Letztere zeichnet sich durch ein widerstandsfähiges Aimpoint Acro Rotpunktvisier aus, welches auf dem System des Waffenoberteils montiert ist. Dadurch bewegt sich die Optik im Schuss nicht mit, wodurch ein ruhigeres Visierbild erzeugt wird, ähnlich IPSC Open Pistolen. Der Griff zeichnet sich durch eine Pyramidenstruktur aus und besteht aus Kunststoff. Für die praktische Anwendung wurde ein dezenter Abschluss des Griffstücks gewählt. Opos präsentierte auf der IWA einen neuen Abzug, welcher in dieser Variante verbaut wurde. Dieser hat ein besonders breites Sicherungszüngel, welches schön texturiert ist und die gesamte breite des Abzugs einnimmt. Die Charakteristik des Abzugs ist extrem gut und erfüllt die Ansprüche an eine reinrassige Sportpistole.

Opos venator production optics mit Holosun
Opos venator production optics mit Holosun

Abbildung 2: Opos venator mit einem fischhautartigen Griffstück und einem Holosun 507K Rotpunktvisier, welches auf dem Verschluss montiert ist. In dieser Konfiguration ist die Waffe für die IPSC Production Optics Division zugelassen.

Opos hat um die IWA 2026 herum die Zulassung zur Production Division der IPSC erhalten und präsentiert eine entsprechende Variante, die in Abbildung 2 gezeigt ist. Diese Version unterscheidet sich wegen der Anforderungen der Production Optics Division kaum von der Konfiguration der Gebrauchspistole. Die gezeigte Variante hat noch den alten Abzug verbaut, welcher ein schmales Abzugszüngel in der Mitte des Abzugschuhs hat. Die Qualität des Abzugs konnte im direkten Vergleich mit dem neuen Abzug deutlich gesteigert werden. Es handelt sich also nicht nur um optische Änderungen. Weiter zeigt Opos die Möglichkeiten zur Personalisierung. Der Griff wurde durch einen fischhautähnlichen Kunststoffgriff getauscht, welcher eine ergonomische Form aufweist. Um den Regeln der IPSC Production Optics zu genügen, muss sich die Visierung mit dem Verschluss bewegen. Daher zeigt Opos hier die Möglichkeit, die vorhandene Schnittstelle für Optiken auf dem Verschluss zu nutzen. 

Abbildung 3: Die Opos Venator in der Racegun-Ausführung für die IPSC Optics Division. Die Variante zeichnet sich durch einen großen Magazintrichter aus und hat einen ergonomisch geformten Griff, der mit Silicium-Carbid-Granulat beklebt ist. Dadurch ist die Waffe extrem griffig, ähnlich wie Skateboard-Tape, wie ich es an meiner Glock habe. Um das Regelwerk zu erfüllen, bewegt sich auch hier die Optik mit dem Verschluss.

Opos Venator race gun mit magwell ipsc optics
Opos Venator race gun mit magwell ipsc optics

Da Opos klare Ambitionen in Richtung des IPSC hat, präsentierte die junge Firma eine Optics-Variante der Venator, wie in Abbildung 3 gezeigt. In der Optics-Division sind alle Modifikationen an Pistolen gestattet, abgesehen von Kompensatoren und festen Optiken. Die präsentierte Konfiguration besitzt den neuen Sportabzug, einen riesigen Magazintrichter und ein ergonomisches Griffstück, welches mit Silizium-Carbid-Granulat beschichtet ist. Das SiC-Granulat sorgt für eine Oberfläche, die ähnlich zu Skateboard-Tape ist, also maximalen Grip. Wie bei der Division Production Optics muss sich auch hier das Red Dot mitbewegen. 

Am Stand von Opos konnte ich auch den erfolgreichen IPSC Open-Schützen Dave Wäfler treffen. Bekannt ist er für seine Erfolge mit einer Glock 17 in der Open Division. Jetzt ist er auch Test-Schütze für Opos und erzählte, es gäbe Ambitionen, in Zukunft mit Opos in der IPSC Open Division anzutreten. Hier können wir also noch Entwicklungen zu Mündungsaufsätzen wie Kompensatoren erwarten. Auch eine Daumenauflage ist bereits als Prototyp vorhanden, wie mir Mitarbeiter berichteten. 

Abbildung 4: Der Lauf des Opos Venator besitzt eine Nase, welche für die drehende Entriegelung des Verschlusses zuständig ist (die kleine Nase im linken Bild). Zusätzlich befinden sich im vorderen Teil des Laufs Profile, die durch Anschläge im Griffstück ein ungewolltes Verdrehen des Laufs verhindern. Rechts im Bild sind die zwei Verriegelungsnasen zu sehen, welche mit den Taschen im Verschluss verriegelt werden.

Lauf der Opos venator
Lauf der Opos venator
Lauf der Opos venator
Lauf der Opos venator

Verdrehsicherung

Steuernase

Verriegelungswarzen

Netterweise durfte ich mir das Verschlusssystem vor Ort noch einmal genauer anschauen und Bilder machen. Abbildung 4 zeigt den Lauf mit seiner integrierten Steuernase und der Verdrehsicherung. Die Venator hat einen Drehlaufverschluss, was bedeutet, dass Lauf und Stoßboden beim Schuss fest verriegelt sind. Die Verriegelung findet durch das Ineinandergreifen der Verriegelungswarzen am Lauf und der passenden Taschen des Verschlusses (Abbildung 5) statt. Durch den Rückstoß gleiten Lauf und Verschluss zusammen zurück, wobei die Steuernase entlang der Steuerkurve geführt wird, was zu einer Drehung des Laufs führt. Durch die Laufrotation drehen sich die Verriegelungswarzen aus den Taschen, und der Stoßboden kann sich vom Lauf trennen. Die Verdrehsicherungen sorgen dafür, dass sich der Lauf nicht zurückdreht, bevor der Stoßboden wieder am Lauf anliegt und die Verriegelung stattfinden kann. Die Verdrehsicherung liegt im entriegelten Zustand an einer Fläche im unteren Waffenteil an (Abbildung 5) und wird von einer Nase des vorderen Verschlussteils (Abbildung 6) überfahren und so eingesperrt.

Abbildung 5: Griffstück des Opos Venator. Im vorderen Teil des Griffstücks liegt die Steuerkurve (gelber Pfeil) des Systems, in die die Steuernase des Laufs eingreift und die Rotation des Laufs steuert.

Mechanik des Griffstücks der Opos Venator
Mechanik des Griffstücks der Opos Venator

Verriegelungstaschen

Steuerkurve

Auflagefläche der Verdrehsicherung

Mechanik des Oberteils der Opos Venator
Mechanik des Oberteils der Opos Venator

Abbildung 6: Das Oberteil des Venators besteht aus dem unbeweglichen Teil, welcher das Hammersystem und die Aufnahme für die Verschlussfeder trägt sowie dem Verschluss. 

Stoßboden

Abzug-Transfer-Pin

Nase für Verdrehsicherung

Hammer

Der Abzug der Opos Venator überträgt seine Bewegung durch einen vertikalen Pin im oberen Teil der Waffe auf den Unterbrecher, der den Hammer im gespannten Zustand hält. Technisch betrachtet ist die Venator also eine hammergeführte Pistole, ähnlich wie die Laugo Arms Alien. 

Was Opos von allen anderen Herstellern unterscheidet, ist der Ansatz, Elektronik in die mechanischen Waffen zu integrieren. Das Vision-Modul kommt zwar erst Ende 2026 auf den Markt, ist aber modular nachrüstbar. Auch preislich macht es keinen Unterschied, ob man direkt mit Elektronik bestellt oder nachrüstet. Das Vision-Modul ist ein Microcontroller, der die Verschlussgeschwindigkeit messen kann, die Temperatur im System und beispielsweise die Anzahl der Patronen im Magazin. Letzteres funktioniert tatsächlich nicht über ein einfaches Zählen der Erschütterungen beim Schuss, wie es bei einigen wenigen Mods für Glock der Fall ist. Die Venator nutzt Beretta Magazine, die Bohrungen auf der Rückseite haben, um den Ladestand der Magazine exakt anzuzeigen. Durch eine optische Erkennung im Griffstück misst die Waffe, wie vielen Löchern Patronen vorhanden sind. Damit ist auch die Anzahl nach Magazinwechseln immer aktuell. 

Die Haptik der Waffe ist sehr wertig und liegt gut in meiner Hand. Auch der Abzug ist sportlich mehr als brauchbar, und die Menschen hinter dem Produkt sind mit spürbarer Leidenschaft dabei. Wer also das nötige Kleingeld hat, hat die Möglichkeit, ein faszinierendes Stück Technik zu besitzen, das Teil einer Bewegung Richtung Zukunft ist und von Menschen entwickelt wird, die aus Leidenschaft ihre Visionen von Faustfeuerwaffen in die Tat umsetzen.

Bildschirm des Vision Modul der Opos Venator
Bildschirm des Vision Modul der Opos Venator

Abbildung 7: Prototyp des Vision-Moduls mit Bildschirm und diversen Sensoren. Im Griffrücken sind ein Ladeanschluss und ein Knopf verbaut, um die verschiedenen Modi des Moduls durchzuschalten.