Sportlich Zugelassene Halbautomaten in Deutschland von 2003 bis Heute

Sportschützen haben ihren eigenen besonderen Platz im deutschen Waffengesetz. Besonders Halbautomaten müssen besondere Kriterien erfüllen, um zum sportlichen Schießen zugelassen zu werden und somit erwerbar für Sportler zu sein. Welche Kriterien erfüllt sein müssen und wie sich die Praxis mit den Jahren entwickelt hat, will ich hier diskutieren.

TECHNIK

6/28/202612 min read

Seit dem Inkrafttreten des neuen Waffengesetzes im Jahr 2003 ist es Besitzern einer entsprechenden waffenrechtlichen Erlaubnis gestattet halbautomatische Langwaffen zu erwerben. Eine besondere Gruppe sind seitdem die Sportschützen, welche spezifische Einschränkungen beim Erwerb von Halbautomaten erhalten haben. Der Paragraph §6 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) definiert die vom sportlichen Schießen ausgeschlossenen Waffen.

(1) Vom sportlichen Schießen sind ausgeschlossen:

  1. Kurzwaffen mit einer Lauflänge von weniger als 7,62 Zentimeter (drei Zoll) Länge;

  2. halbautomatische Schusswaffen, die ihrer äußeren Form nach den Anschein einer vollautomatischen Kriegswaffe hervorrufen, die Kriegswaffe im Sinne des Gesetzes über die Kontrolle von Kriegswaffen ist, wenn

    a) die Lauflänge weniger als 40 Zentimeter beträgt,

    b) das Magazin sich hinter der Abzugseinheit befindet (so genannte Bul-Pup-Waffen) oder

    c) die Hülsenlänge der verwendeten Munition bei Langwaffen weniger als 40 Millimeter beträgt;

  3. halbautomatische Langwaffen mit einem Magazin, das eine Kapazität von mehr als zehn Patronen hat.

(2) Das Verbot des Schießsports mit Schusswaffen und Munition im Sinne der Anlage 2 Abschnitt 1 des Waffengesetzes bleibt unberührt. (Verbotene Waffen)

(3) Das Bundesverwaltungsamt kann auf Antrag eines anerkannten Schießsportverbandes Ausnahmen von den Verboten des Absatzes 1 zulassen, insbesondere wenn es sich um in national oder international bedeutenden Schießsportwettkämpfen verwendete Schusswaffen handelt.

(4) Zuständige Behörde für die Beurteilung der Schusswaffen nach Absatz 1 ist das Bundeskriminalamt. (Die umgangssprachlich sogenannten "BKA Bescheide")

Das bedeutet, dass halbautomatische Waffen mit einer Lauflänge von mindestens 40 cm, die keine Bul-Pub Waffen sind und eine Patrone verschießen die länger als 40 mm ist (z.b. .223 Rem) immer zum sportlichen Schießen zugelassen ist, selbst wenn diese wie eine Kriegswaffe aussieht. Ist eines der drei Kriterien nicht erfüllt, dann kann die Waffe trotzdem zum Sportschießen zugelassen sein, solange sie nicht wie eine Kriegswaffe aussieht. Dabei muss eine solche Waffe nicht durch das BKA zugelassen werden. Die Bescheide des BKA schätzen ein ob die Waffen vom Verbot zum sportlichen Schießen erfasst sind oder nicht. Theoretisch könnte also auf eine Bearbeitung durch das BKA verzichtet werden, sollte man sich sicher sein über die Kriegswaffeneigenschaften der im Einzelfall betrachteten Waffe.

Achtung! Das ist keine Rechtsberatung, oder Ermutigung die Gesetze und Verordnungen des Waffengesetzes auszureizen oder zu testen. Es handelt sich ausschließlich um theoretische Erläuterungen und Überlegungen!

Savage MSR 15 Recon 2.0 ist sportlich zugelassen
Savage MSR 15 Recon 2.0 ist sportlich zugelassen

Abbildung 1: Die Savage MSR 15 Recon 2.0 ist ein beliebtes halbautomatisches Sportgewehr im AR15 Design im Kaliber .223 Rem mit einem Lauf über 40 cm. In dieser Konfiguration ist es eindeutig nicht vom §6 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) erfasst. Bild: Die Waffenbrüder, 2026.

Aber was sind eigentlich Kriegswaffen und welche objektiven Eigenschaften gibt es um festzustellen ob die fragliche Waffe wie eine Kriegswaffe aussieht oder nicht? Dazu müssen wir einen Exkurs aus dem Waffenrecht machen und wagen einen Abstecher in das Wirtschaftsministerium, zum Kriegswaffenkontrollgesetz. In Anlage zum Paragraph §1 Absatz 1 finden wir die Kriegswaffenliste. Diese listet recht grob die Gegenstände auf, die als Kriegswaffen eingestuft sind. Für uns ist in diesem Fall Punkt 29. in der Kategorie V. Rohrwaffen interessant.

V. Rohrwaffen

  1. a) Maschinengewehre, ausgenommen solche mit Wasserkühlung,

    b) Maschinenpistolen, ausgenommen solche, die als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind,

    c) vollautomatische Gewehre, ausgenommen solche, die als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind,

    d) halbautomatische Gewehre mit Ausnahme derjenigen, die als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind, und der Jagd- und Sportgewehre

Die Einstufung von Maschinengewehren als Kriegsgerät ist nachvollziehbar. Spannend finde ich, dass wassergekühlte Maschinengewehre wie das 08/15 aus dem 1. Weltkrieg nicht als Kriegswaffen eingestuft sind. Vermutlich wegen der überholten Technik und der vermeintlichen Nutzlosigkeit für militärische Zwecke. Halbautomatische Nachbauten dieser Waffen wären somit sportlich zugelassen, da ihre Vorbilder keine Kriegswaffen wären. Wäre da nicht die Gurtzuführung, welche das BKA nach §6 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) Absatz 1 Punkt 3 (halbautomatische Langwaffen mit einem Magazin, das eine Kapazität von mehr als zehn Patronen hat.) als eindeutiges Merkmal von Kriegswaffen einstuft und bereits in mehreren BKA Bescheiden eine sportliche Nutzung untersagt hat. Einen kurzen Moment der Hoffnung gab es als das Fight Lite MCR mit einem BKA Bescheid zur sportlichen Nutzung vorgestellt wurde. Dieser wurde jedoch widerrufen und somit bleibt die Bewertung von Gurtzuführungen bestehen.

Optische Nachbauten von luftgekühlten Maschinengewehren (beispielsweise M3 von Hessen Arms) erwecken also eindeutig den Anschein einer Kriegswaffe. Da Kaliber, Zuführung und Lauflänge des Hessen Arms M3 nicht in den §6 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) fallen, sind sie allerdings nicht vom Verbot zum sportlichen Schießen erfasst.

Abbildung 2: Das Hessen Arms M3 ist ein halbautomatischer Nachbau des MG3. Abgesehen von technischen Veränderungen um die Waffe für den zivilen Markt zu ermöglichen ist die Waffe optisch und von der Bedienung identisch zum Original. Durch den langen Lauf, das Kaliber .308 Win und die Gurtzuführung ist das Gewehr nicht vom §6 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) erfasst. Bonus: durch den Gurt gibt es keine Beschränkungen der Magazinkapazität. Bild: Tino Schmidt, Caliber, all4shooters.com, 2026.

Abbildung 2: Das Fight Lite MCR wurde kurzzeitig mit einem BKA Bescheid zum sportlichen Schießen angeboten. Dieser wurde mittlerweile zurückgezogen, weshalb Gurt zugeführte Waffen weiter für Sportschützen verboten bleiben. Bild: blackstoneshooting.com, 2026.

Interessanterweise sind auch vollautomatische Gewehre und Maschinenpistolen die vor Ende des 2. Weltkriegs bei einer Streitkraft eingeführt wurden keine Kriegswaffen (Achtung! Vollautomaten sind in jedem Fall verbotene Waffen nach dem WaffG! Beachte: Unterschied Kriegswaffenkontrolle und ziviles Waffenrecht!). Daher sind zivile Nachbildungen des Sturmgewehr 44, oder der MP38 / MP40 (mit blockiertem Klappschaft zum Erfüllen der Langwaffeneigenschaften) ohne Zweifel zum sportlichen Schießen zugelassen, ungeachtet der Lauflänge oder Hülsenlänge.

Stg 44 halbautomat sportlich zugelassen
Stg 44 halbautomat sportlich zugelassen

Abbildung 3: KTS SLG 44 im Kaliber 7,92 x 33 Kurz. Eines von vielen Beispielen von halbautomatischen Nachbauten diverser Waffen des 2. Weltkriegs. Aufgrund des Alters der Vorbilder sind diese Waffen keine Abbildungen von Kriegswaffen nach deutschem Recht. Somit sind diese Halbautomaten auch zum sportlichen Schießen zugelassen. Bild: BKA, 2026.

Aber was ist denn jetzt mit einem AR15 mit einem Lauf kürzer als 40 cm? Oder einer Langwaffe im Kaliber 9 mm? Wie können wir abschätzen ob diese aussehen wie eine Kriegswaffe, oder nicht? Hierfür schauen wir in das Dokument "Erläuterung zur Kriegswaffenliste". Diese Ausführungen spezifizieren die groben Ausführungen der Kriegswaffenliste mit konkreten Attributen und expliziten Beispielen.

Erläuterung zur Kriegswaffenliste

(26) Luftgekühlte Maschinengewehre (MG) der Nr. 29 a) KWL sind vollautomatische Waffen mit einem Kaliber unter Kal. 20 mm (ab 20 mm Nr. 32 KWL). Wassergekühlte Maschinengewehre sind keine Kriegswaffen, sondern verbotene Waffen nach Anlage 2 WaffG.

(29) Zu den halbautomatischen Gewehren der Nr. 29 d) KWL gehören neben allen Selbstladeschusswaffen im Kaliber .338 Lapua Magnum und .50 BMG insbesondere folgende Modelle sowie weitere, die bei militärischen Verbänden eingeführt sind:

Bei der im Übrigen notwendigen Einzelfallprüfung ist insbesondere das Vorliegen mehrerer der folgenden Merkmale ein Indiz für die Kriegswaffeneigenschaft: - Entwicklung für militärische Zwecke, - Umstellbarkeit oder Umrüstbarkeit mittels allgemein gebräuchlicher Werkzeuge auf die Abgabe von Dauerfeuer/Feuerstößen,  Handschutz mit Lüftungsöffnungen, Kühlrippen am Waffenrohr,  Seitengewehr- oder Bajonettaufnahmevorrichtung, Mündungsfeuerdämpfer, Mündungsbremse, Gewehrgranataufnahmemöglichkeit, abklappbare oder einschiebbare Schulterstütze oder - Wechselmöglichkeit für Magazine mit mehr als 10 Patronen

Als Kennzeichen für Jagd- und Sportgewehre, die in Nr. 29 d) KWL ausdrücklich als ausgenommen bezeichnet werden und zu denen alle Gewehre mit anderer Antriebsenergie als heiße Gase (Luft- und Federdruck sowie CO²) rechnen, zählen insbesondere: - Glatter Lauf, so genannte Flinten für Schrotpatronen, - Eignung für Randfeuer- oder Schrotpatronen, - Kipplauf, - Mehrläufigkeit, - Abzug mit Stecher - Sportschäftung, - Gravuren an Schaft oder System.

Haben wir also eine Waffe bei der eine Einzelfallbetrachtung notwendig ist um zu entscheiden ob diese wie eine Kriegswaffe aussieht und sie erfüllt mehr als eine der genannten Eigenschaften z.B. Schubschaft und die Möglichkeit Magazine größer 10 Schuss einzusetzen, ist das ein Indiz auf Kriegswaffeneigenschaften. In diesem Fall muss das Gesamtbild betrachtet werden. Diese Gesamtbetrachtung kann durch das BKA durchgeführt und dokumentiert werden um Rechtssicherheit zu erhalten. Im Folgenden wollen wir uns einige dieser Bescheide ansehen und die Entwicklung der Waffen die zum sportlichen Schießen zugelassen wurden beobachten.

Hera the 9ers sport 2015
Hera the 9ers sport 2015

Abbildung 4: Heras "The 9ers-Sport" Pistol Caliber Carbine aus dem Jahr 2015. Ein 9 mm Luger Gewehr auf Basis des AR15 mit einem Masseverschluss. Um den sportlichen Charakter in möglichst vielen Aspekten zu erfüllen mit langem Lauf, geschlossenem Handschutz und Festschaft. Bild: BKA, 2026.

Nach meinem Kenntnisstand wurden lange Zeit ausschließlich Halbautomaten angeboten, die alle Voraussetzungen für eine sportliche Zulassung nach §6 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) erfüllen. Eine Ausnahme war bereits sehr früh die sportlich zugelassene Variante des AUG von Oberland Arms, welches ich im Verlauf auch noch zeigen werde. Leider sind nur wenige BKA Bescheide im Bundesanzeiger einsehbar, da die Veröffentlichung freiwillig ist. Der BKA Bescheid im Bundesanzeiger welcher den Beginn der Progression im sportlichen Schießen mit Halbautomaten markiert ist der Antrag von HERA für ihren Pistol-Caliber-Carbine "The 9ers-Sport" aus 2018. Mit einem geschlossenem Handschutz, einem 42 cm langen Lauf und einem Festschaft überzeugte die Waffe im Kaliber 9 mm optisch als Sportgerät. Darauf folgten weitere positive BKA Bescheide für Halbautomaten im Kaliber 9 mm in ähnlichen Konfigurationen. Von 2019 lässt sich dann ein Bescheid zur sportlichen Nutzung eines PCC mit Festschaft und geschlossenem Handschutz mit einer Lauflänge von 25 cm auf der Seite des BKA finden. 

Schmeisser Ar15 S4 sport .223 rem 2020
Schmeisser Ar15 S4 sport .223 rem 2020

Abbildung 5: Schmeisser AR 15 S4 Sport im Kaliber .223 Rem. Nach meinem Stand das erste AR15 mit einem Lauf unter 40 cm das vom BKA zum sportlichen Schießen zugelassen wurde. Bild: BKA, 2026.

Schmeisser stellte 2020 ihr AR15 im Kaliber .223 Rem vor, was den Startschuss für die Entwicklung der sportlich zugelassenen AR15 der letzten Jahre gab. Ein Gewehr mit Festschaft, kurzem Lauf, einer Mündungsbremse und geschlossenem Handguard mit QD-Öse. Bereits von 2021 ist ein BKA-Bescheid für Oberland Arms ausgestellt worden, für ihre AR15 mit Läufen unter 40 cm, mit geschlossenem Handschutz, welcher Picatinny-Schienen und eine QD-Aufnahme aufweist, und einem Schubschaft. Zusätzlich wurden auch ein montiertes Zweibein und ein Blast Deflektor bewertet. Seitdem gab es von fast allen deutschen Herstellern Varianten kurzer AR15 mit geschlossenem Handschutz und Schubschaft. Eine Lösung, mit der viele Sportschützen sehr gut leben konnten. So musste man zwar auf die Optik eines M-Lok-Handschuts verzichten, hatte aber trotzdem die Möglichkeit, ein modern aussehendes AR15 mit einem Schubschaft zu besitzen.

AR15 sportlich zugelassen mit schubschaft
AR15 sportlich zugelassen mit schubschaft

Abbildung 6: Das OA-15 PR M11 ist eines der ersten sportlich zugelassenen AR15 mit einer Lauflänge unter 40 cm und einem Schubschaft. Dazu hat der Vorderschaft Picatinny Rails an der Seite und Unterseite. Bild: Oberand Arms, Oberlandarms.com, 2026.

Ich kann mich persönlich sehr gut an diese Neuheit aus 2023 erinnern. Aus dem Nichts brachte die Firma MGB strategic HK MR223 mit 11" Läufen für Sportschützen auf den Markt. Das Spektakuläre war neben der Sache, dass endlich kurze MR223 für Sportschützen verfügbar waren, die Art und Weise, wie sie es geschafft hatten. Und zwar wurde ein normaler M-Lok Handguard für das MR223 montiert und die M-Lok Schnittstellen mit Clip-On Abdeckungen verschlossen. Zusätzlich wurden die Schlitze an der Unterseite des Handguards freigelassen, zur Montage von Griffen. Dabei ist diese Lösung von MGB schon seit 2019 verwendet worden und zwar für diverse AK Modelle mit einem Magpul Vorderschaft. Das BKA hatte also bereits Jahre zuvor diese Lösung akzeptiert, die entsprechende Resonanz kam aber erst mit dem sportlich zugelassenen MR223 in 11". 

Wenige Monate später wurden ähnliche Konfigurationen diverser Händler veröffentlicht. Bei diesen Modellen wurden unter anderem Rohlinge für M-Lok Handguards verwendet und die Durchbrüche für die Schnittstellen nicht vollständig durchgefräst. So entsteht ein angedeuteter Look eines offenen Handschutzes, es sind aber keine echten "Lüftungsschlitze" vorhanden. 

Seit 2024 kamen eine Vielzahl an interessanten Sportwaffen auf den Markt die sich an den genannten Lösungen der positiven BKA Bescheiden bedienen. AR15 mit kurzen Läufen sind seitdem wirklich ansehlich und Waffen die lange Zeit nur ein Traum für Sportschützen waren sind mittlerweile greifbar, wie z.B. die SP5 von HK.

MGB strategic sportlich zugelassen mr223
MGB strategic sportlich zugelassen mr223

Abbildung 7: MGB Strategic MR223 in 11" mit sportlich zugelassenem Vorderschaft. Die M-Lok-Schnittstellen sind dauerhaft mit Abdeckungen verschlossen. Bild: MGB Strategic, 2026.

Abbildung 7: Spätere Version des sportlichen MR223 mit 11" Lauf. Die M-Lok-Schlitze sind nicht durchgefräst, um den Look eines offenen Vorderschafts anzudeuten, ohne die belüftenden Eigenschaften der M-Lok-Schnittstellen zu erfüllen. Bild: Shoot-Club.de, 2026.

sportlich zugelassenes MR223 Heckler und Koch
sportlich zugelassenes MR223 Heckler und Koch
Die Waffenbrüder SP5 Sportlich zugelassen
Die Waffenbrüder SP5 Sportlich zugelassen

Abbildung 13: Sportlich zugelassene Version der Heckler und Koch SP5 von "Die Waffenbrüder". Der typische Hinterschaft wurde durch einen blockierten Magpul Klappschaft ersetzt. Der Vorderschaft wurde ebenfalls durch eine Variante von Magpul ersetzt, um den typischen Charakter einer MP5 zu kaschieren. Beim Vorderschaft wurden die seitlichen Schlitze dauerhaft verschlossen. Bild: Die Waffenbrüder, 2026.

Spannend sind auch die Einschätzungen des BKA zu Bul-Pub-Waffen. Bereits 2003 erhielt Oberland Arms eine Bestätigung, dass ihr ziviler Nachbau des AUG mit einem entsprechenden Vorderschaft zum sportlichen Schießen zugelassen ist. Mit Blick auf die Zeit und die geringfügige optische Veränderung finde ich das bemerkenswert. Tatsächlich finde ich die Einschätzung von Bul-Pub-Waffen auch heute noch erstaunlich unproblematisch. So ist der einzige Unterschied der HS VHS-2S zum sportlichen Modell die Abdeckung der seitlichen M-Lok-Schnittstellen. Offenbar sind diese seitlichen Schlitze 2025 das Einzige, was eine Kriegswaffe optisch von einer Sportwaffe unterscheidet. 

OA-UG Sport
OA-UG Sport

Abbildung 10: Das OA-UG ist ein ziviler Nachbau des Steyer AUG welcher um 2003 durch Oberland Arms vertrieben wurde. Bild: BKA, 2026.

OA-UG
OA-UG

Abbildung 11: Das OA-UG Sport ist eine sportlich zugelassene Variante des Oberland Arms OA-UG, die 2004 vorgestellt wurde. Der verbaute Vorderschaft statt des typischen Frontgriffs des Steyr AUG überzeugte das BKA von einer eindeutig sportlichen Optik der Waffe. Bild: BKA, 2026.

Abbildung 12: Das HS VHS-2S ist eine moderne Bull-Pup-Waffe des Herstellers HS/Springfield Armory. Diese Variante der Selbstladebüchse ist vom sportlichen Schießen ausgeschlossen. Bild: Die Waffenbrüder, 2026.

HS VHS-2S
HS VHS-2S
HS VHS-2S sport bul pub
HS VHS-2S sport bul pub

Abbildung 13: Um die Kriegswaffenoptik des Originals zu brechen, wurden die seitlichen Schlitze des Vorderschafts dauerhaft verschlossen. Diese Maßnahme reichte 2025 aus, um einen BKA-Bescheid für die Zulassung zum Schießsport zu erhalten. Bild: Die Waffenbrüder, 2026.

Ein weiterer Meilenstein, den ich vor Kurzem entdeckt habe, ist die Einstellung des BKA zur Lauflänge. In den USA ist es seit vielen Jahren Gang und Gäbe, 14,5"-Läufe mit Mündungsfeuerdämpfern etc. zu verstiften und zu verschweißen. Durch die dauerhafte Verbindung, welche nicht mehr durch einfache Handarbeit zu lösen ist, zählt das Mündungsgerät in den USA mit zur Lauflänge. So schaffen es viele amerikanische Hersteller, 14,5"-Läufe anzubieten, welche aber rechtlich als 16" eingestuft werden. Das vereinfacht auch in den USA die Bürokratie, da Waffen mit Läufen unter 16" als Short Barrel Rifle geführt werden, die besondere Auflagen haben. Daher war ich extrem erstaunt und aus dem Häuschen, als ein Kollege mir den BKA-Bescheid für seine 14,5" JP-15 Ultralight vorlegte. Diese ist nämlich laut BKA sportlich uneingeschränkt zugelassen, da der 14,5"-Lauf mit der Mündungsbremse verstiftet und verschweißt ist! Das bedeutet, dass in Zukunft auch deutschen Herstellern die Möglichkeit gegeben ist, 14,5"-Läufe mit Mündungsgeräten zu verbinden und trotzdem offene Vorderschäfte zu verbauen.

JP 15 ultralight
JP 15 ultralight

Abbildung 14: Das JP-15 Ultralight besitzt ab Werk eine Mündungsbremse, die mit dem 14,5" langen Lauf verstiftet und verschweißt ist. So kommt der Lauf insgesamt auf über 40 cm, wodurch es mit offenem Handschutz zum sportlichen Schießen zugelassen ist. Das bestätigte auch das BKA mit einem entsprechenden Bescheid. Bild: 3G Sports, 2026.

In den letzten Jahren ist eine zunehmende Entspannung des BKA zu der Bewertung der sportlichen Zulassung von Halbautomaten zu beobachten. Dabei spielt mit Sicherheit das Ermessen der einzelnen Sachbearbeiter eine Rolle, aber auch der Mut einzelner Firmen und Personen, Anträge zur Bewertung ihrer neuen Ideen zu stellen. Natürlich besteht immer die Möglichkeit der Ablehnung, aber mit jedem neuen Präzedenzfall, der geschaffen wird, werden neue Türen geöffnet und Grenzen verschoben. Gerade mit Blick auf die stattfindende Evaluierung des Waffenrechts lassen die Bewertungen des BKA in der letzten Zeit hoffen.

Dieser Beitrag ist nach bestem Wissen und Gewissen verfasst worden. Sollten angesprochene Neuheiten bereits von anderen Personen oder Firmen zu einem früheren Zeitpunkt veröffentlicht worden sein, möchte ich die Bedeutung dieser nicht schmälern. Gerne bin ich bereit, meine Aussagen zu ergänzen oder zu korrigieren. 

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