Teil 2: Die Rückkehr der Rollenverschlüsse

Rollenverschlüsse sind bekannt durch innovative Waffensysteme deutscher Hersteller während des zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. MG42, G3 und MP5 sind populäre Beispiele für Waffen mit Rollenverschlüssen. Heute erfährt der Rollenverschluss eine Renaissance im dynamischen Schießsport.

1/8/202613 min read

Langwaffen im Pistolenkaliber 9 mm Luger gewinnen immer mehr an Beliebtheit und sind längst Teil des Standardprogramms des BDS. Die günstigere Munition im Vergleich zu Langwaffenkalibern und die Möglichkeiten, auf fast allen Schießständen zu schießen, machen die Pistol Caliber Carbines (PCC) zu einer tollen Alternative. Besonders bei munitionintensiven Disziplinen wie IPSC sind die PCC auf dem Vormarsch. Dynamisches Schießen mit der Langwaffe wird durch die Kurzwaffenmunition für viele Menschen deutlich erleichtert, da die Standanforderungen geringer sind und der Preis attraktiver. Im Vergleich zum Mini Rifle in .22 lr bestechen die PCC zudem durch echtes Großkalibergefühl. 

Dabei ist der Boom der PCC kein deutsches Phänomen. 2025 wurde das erste World Shoot für PCC und Mini Rifle in Tschechien veranstaltet, was den weltweiten Aufschwung der Disziplinen unterstreicht. Bei der Weltmeisterschaft traten Profis aus der ganzen Welt mit ihren PCC  und Mini Rifles gegeneinander an. An der Spitze der Welt haben sich einige wenige Hersteller etabliert, auf die die besten der Welt vertrauen. JP Enterprise ist ein Big Player im dynamischen Langwaffenbereich und hat sich auch eine feste Position im PCC-Bereich nicht nehmen lassen. Team USA wurde von Mean Arms mit ihrem neusten Prototyp ausgestattet. Der Weltmeister Pavol Zencar trat mit seiner Grand Power Stribog an. Diese Spitzengewehre haben alle eines gemeinsam. Während viele Hersteller für PCC wie Schmeisser, Hera und Co. einen einfachen Masseverschluss einsetzen, entwickelten die genannten Hersteller den rollenverzögerten Rückdrucklader weiter und setzen das System erfolgreich im sportlichen High-End-Bereich ein. 

MP5 im AR15-Gewand: JP5

Die JP5 von JP Enterprises nimmt sich die Leistungen HK MP5 zum Vorbild und verpackt diese im modularen Gehäuse der AR15. Bekannt sind JP besonders für ihre AR15 im dynamischen Sportschießen. Die AR15 Plattform bietet einen unendlichen Markt an Zubehör und Tuning, was es den Schützen ermöglicht die Waffen auf sich persönlich abzustimmen. Durch den Formfaktor der JP5 im AR15 Stil, für 9 mm Luger genannt AR9, ist diese Modularität auch für den PCC von JP gegeben. Die Verwendung der AR9 Plattform für PCC ist dabei nicht neu. Das Verwenden des Rollen verzögerten Masseverschluss dagegen war revolutionär in diesem Bereich. Das, der MP5 ähnliche, von Haus aus weiche Schussverhalten des Systems gibt einen echten Wettbewerbsvorteil gegnüber den reinen Masseverschlüssen der Konkurrenz.

Abbildung 1: Die JP5 ist ein PCC im Kaliber 9 mm Luger, der im High End Bereich des dynamischen Schießens verwendet wird. Quelle: Shooting Sports USA, https://www.ssusa.org/content/stage-breakdown-2020-uspsa-pcc-nationals/, 2025.

Betrachtet man die Verschlussgruppe der JP5 ist diese eine Mischung aus AR15 und MP5. Der Verschlussträger ist ein deutlich erleichterter Verschlussträger einer AR15 und in seiner Funktion auf den Rollen verzögerten Masseverschluss angepasst. Der Verschlusskopf ist fast identisch mit dem der MP5 und unterscheidet sich technisch nur leicht in der Position des Ausstoßers. Einige Kleinteile sind aber identisch mit der MP5, wie die Feder der Ausziehkralle, die Rollen und das Steuerstück. Typisch für das Verschlusssystem besitzt der PCC ebenfalls die Entlastungsrillen im Patronenlager, was sich auch an den ausgeworfenen Hülsen abzeichnet.

Abbildung 2: Verschlussgruppe des JP5. Der Verschlussträger hat die typische Form der AR15 Plattform, der Verschlusskopf entspricht fast exakt der MP5 Bauweise. Quelle: Rolf Geissinger, https://bdmp-waiblingen.com/2024/1756/, 2025.

Abbildung 3: Zerlegte Verschlussgruppe des JP5 in die einzelnen Baugruppen. Das Steuerstück hat die gleiche Form wie das Steuerstück der MP5. Quelle: Rolf Geissinger, https://bdmp-waiblingen.com/2024/1756/, 2025.

Wie bei der HK MP5 lässt sich das System über die Steuerkurven der Steuerstücke einstellen. Ähnlich den verschiedenen Winkeln welche bereits für die MP5 zur Verfügung stehen, bietet JP auch eigene Steuerstücke an um die Waffe auf die verwendete Munition abzustimmen. Ich habe das Glück gleich drei Personen in meinem direkten Umfeld zu haben, welche die JP5 nutzen und kann daher aus erster Hand von dem Schussgefühl der Waffe berichten. Bereits bei der Verwendung von 124 Grain Fabrikmunition lässt sich ein deutlicher Unterschied zu den PCC von Hera und Schmeisser feststellen. In Verbindung mit selbst geladenen, schwachen Patronen und Abstimmung des Steuerstücks lässt sich ein Schussverhalten erreichen, welches sich an den Rückstoß eines Kleinkalibergewehrs annähert. Ein solches Setup von Alex Schott, einem deutschen Teilnehmer beim World Shoot 2025 durfte ich testen und kann verstehen, weshalb die Weltspitze auf diese Systeme setzt. 

Abbildung 4: Verschiedene Steuerstücke von JP Enterprises für die JP5. Wie bei der MP5 lassen sich die Steuerzeiten der JP5 durch verschiedene Winkel der Steuerflächen auf die verwendeten Laborierungen anpassen. Somit können die Sportler das Schussverhalten der Waffe optimal auf sich abstimmen. Quelle: JP Enterprises, https://s3802.americommerce.com/JP5-LP.aspx, 2026.

Leider sind die Waffen von JP Enterprise in Deutschland nicht sehr verbreitet. Der Händler 3G Sports vertreibt diese aber und bietet auch eine mit BKA Bescheid, sportlich zugelassene Variante der JP5 an. Diese hat einen geschlossenen Carbon-Handschutz und kann mit einiger Wartezeit vorbestellt werden. Der Preis für eine sportlich zugelassene JP5 in Deutschland liegt bei knapp 5.000 Euro. 

Sportliches Wettrüsten: Mean Arms

Bis 2024 stand die JP5 mit ihrer Kombination des Schussverhaltens und der Modularität der AR Plattform alleine auf dem Markt und war das Werkzeug der Wahl der Weltspitze. Doch spätestens vor dem World Shoot 2025 stellte ein großer Teil des US Teams auf ein neues System um. Ausschließlich für das US PCC Team stellte Mean Arms die ersten Prototypen ihres MAUL (MEAN Arms Unrivaled Lightweight) zur Verfügung. Unrivaled steht für die Firma Unrivaled, welche Buffer Systeme für die AR Plattform herstellt, welche besonders weiches Schussverhalten versprechen. Lightweight beschreibt den nochmals erleichterten Verschlussträger des Mean Arms Bearing Delay Systems und den Vorderschaft aus Carbon. Ein bedingungslos auf den Wettkampf getrimmtes Setup. Bis heute (Januar 2026) ist dieses System nur lange im Vorraus vorbestellbar, Kunden warten teils seit eineinhalb Jahren auf ihre Bestellung. Das plötzliche Umstellen des US Teams und das nachhaltige Wechseln des Sponsors einiger bekannter Namen wie Max Leograndis verspricht aber Großes. 

Abbildung 5: Jalise Williams während des IPSC PCC World Shoot 2025 in Tschechien mit ihrerm Prototyp des Mean Arms MAUL. Der MAUL Upper ist ein Prototyp abgestimmt auf kompromisslose sportliche Performance. Charakteristisch für Mean Arms sind die Exo Mags, die die Form von .223 Rem Magazinen nachahmen. Quelle: Shooting Sports USA ,https://www.ssusa.org/content/colt-pro-team-s-justine-jalise-williams-help-spark-team-usa-s-gold-rush-at-2025-ipsc-world-shoot/,2026

Der MAUL Upper Receiver basiert auf dem Bearing Delay System von Mean Arms, einer eigenen Konstruktion der Firma. Ziel war es, ein Wechselsystem zu entwickeln, das die Anforderungen für das Training mit dem AR15 vereinfacht, aber die Bedienung der Waffe in .223 Rem vollständig beibehält. Das Standardsystem von Mean Arms besteht daher aus einem unscheinbaren Upper Receiver, der auf jeden AR15 Lower gesteckt werden kann. Passend dazu entwickelte Mean Arms in erster Instanz die Endo Mags, Einsätze für Magpul P-Mags, die diese auf 9 mm Luger umrüsten. Optisch auffällig sind die neueren Exo Mags, die dedizierte 9 mm Magazine sind, mit einem Formfaktor von AR15-Magazinen, der durch ein eingearbeitetes Kunststoffgerippe erhalten wird. Grund für den speziellen Verschluss war laut dem Gründer, dass die PCC am Markt mit Masseverschluss nicht sicher genug seien, weshalb er sich von der MP5 inspirieren ließ.

Abbildung 6: Das Mean Arms System ist gebaut, um als Wechselsystem auf einem AR-15 Lower im .223 Rem Kaliber eingesetzt zu werden. In Verbindung mit den Exo Mags bietet das System die Modularität des AR-15 mit dem Pistolenkaliber 9 mm Luger, wobei das Handling einer Waffe in .223 Rem beibehalten wird. Quelle: Tim Stetzer, https://athlonoutdoors.com/article/mean-arms-bearing-delay-upper/, 2026. 

Das Bearing Delay System funktioniert im Prinzip wie die zuvor vorgestellten, mit Rollen verzögerten Rückdrucklader. Besonders macht es die eingesetzten Kugeln, welche den Namen geben. Aus dem Englischen direkt übersetzt heißt Bearing Lager – wie Kugellager. Solche Kugeln eines Kugellagers finden in diesem System Anwendung. Ein weiterer Unterschied zum klassischen System von Heckler und Koch ist die Anzahl der verzögernden Bauteile – hier drei statt zwei. Diese sind im 120°-Winkel angeordnet, was dem Steuerstück ("Lifter" genannt) einen rotationssymmetrischen Aufbau gibt. Durch die Kugelform der Übersetzer ist der Zusammenbau des Verschlusses deutlich vereinfacht, da keine Einbaurichtungen beachtet werden müssen. Die Verwendung von drei Kugeln soll zudem die Sicherheit des Verschlusses um 50 % erhöhen und die Haltbarkeit auch bei modernen, starken Ladungen gewährleisten. Besonders ist auch der integrierte Ausstoßer im Verschlusskopf. Bei der MP5 und JP5 sitzt der Ausstoßer im unteren Gehäuse und hat eine entsprechende Nut im Verschlusskopf, durch die er beim Zurückgleiten des Verschlusses hindurchsticht. Bei vielen PCC der AR9-Plattform gibt es gar keinen Ausstoßer. Hier muss entweder ein spezieller Lower Receiver verwendet werden oder der Ausstoßer ist im Magazin integriert. Daher gibt es für die Exo Mags auch zwei Varianten – mit und ohne Ausstoßer.

Abbildung 7: Bilderreihe zum Zusammenbau des Mean Arms Verschlusses. Links oben ist der federgelagerte Schlagbolzen im Verschlusssträger zu sehen. In den Verschlusssträger wird das Steuerstück eingelegt, wobei der Schlagbolzen, wie beim System der MP5 bzw. JP5, im Steuerstück geführt wird. Innovativ ist beim System von Mean Arms, dass das Steuerstück rotationssymmetrisch ist und drei Steuerflächen besitzt. Die Steuerflächen arbeiten mit drei Kugeln zusammen, welche das System statt Rollen verzögern. Quelle: Austin R, https://www.thefirearmblog.com/blog/2023/12/19/tfb-review-mean-arms-9mm-bearing-delay-blowback-upper-receiver/, 2026. 

Natürlich bietet Mean Arms verschiedene Steuerstücke für ihr System an, um die Waffen auf die verwendete Munition anzupassen. Obwohl das Bearing Delay System ursprünglich für den Behördenmarkt gedacht war, wurden die Gründer von Unrivaled auf Mean Arms aufmerksam und überzeugten die Firma, das System für den sportlichen Bereich zu optimieren. Mit einem speziellen Buffer, einem nochmals leichteren Verschlussträger und einer aggressiveren Mündungsbremse schufen die beiden Firmen den MAUL. Mit der Abstimmung auf besonders schwache Wettkampfmunition konnte Max Leograndis (US Top Rifle und PCC Schütze) trotz anfänglicher Skepsis für einen Wechsel auf das neue System überzeugt werden. Zuvor schoss Leograndis die JP5 und war hochzufrieden, weshalb er sich ein noch besseres System wohl kaum vorstellen konnte. Diese Anekdote gibt eine Ahnung, wie angenehm sich dieses System schießen lassen muss, wenn einer der weltbesten Schützen sich hinreißen lässt, sein Setup kurz vor einer Weltmeisterschaft umzustellen. Abgesehen vom Schussgefühl muss in so einem wichtigen Wettkampf alles reibungslos funktionieren, was auf eine enorme Zuverlässigkeit hindeutet, wenn das US PCC Team auf diese Waffen vertraut. Wer sich besonders für die sportliche Entwicklung der PCC vor dem World Shoot 2025 interessiert, dem kann ich die Dokumentation zur Vorbereitung des US-Teams auf das PCC World Shoot von Hunter Constantin auf YouTube empfehlen. 

Abbildung 8: Verschiedene Steuerstücke für das Mean Arms System, zur Abstimmung auf die verwendete Patrone und Lauf. Von links nach rechts: H, K, P, R und T. Von links nach rechts wird der Winkel der Steuerflächen flacher, was zu einer stärkeren Verzögerung führt. Quelle: Ryan N. https://forums.brianenos.com/topic/315172-mean-arms-tuninglifter-discussion/, 2026.

Abbildung 9: Ausschnitt aus der Anleitung von Mean Arms. Je nach Lauflänge und verwendeter Munition wird ein anderes Steuerstück empfohlen. Quelle: Mean Arms, Bearing Delay Upper Receiver Manual, 2025.

In Deutschland ist mir aktuell (Januar 2026) kein Händler in Deutchland bekannt, der die Bearing Delay Systeme von Mean Arms anbietet. Brownlells Deutschland verteibt zwar die Exo Mags, bietet aktuell aber keine Waffen an. Das österreichische Pendant Brownells Austria bietet aber auf Bestellung die Standard Bearing Delay Upper an und sogar eine Möglichkeit zur Vorbestellung des MAUL. Hierzu sei gesagt, dass die Wartezeiten in den USA bereits extrem hoch sind und die Verfügbarkeit in Europa entsprechend zäh sein wird. 

Weltmeister: Grand Power Stribog A3

Aber nicht nur in den USA findet Innovation statt. Die slowakische Firma Grand Power ist seit Jahren für ihre ungewöhnlichen Pistolen bekannt, die einen Drehlaufverschluss verwenden. Mit ihrer neuesten Generation der Maschinenpistolen-Serie Stribog steigt auch Grand Power in die Produktion der rollenverzögerten Verschlüsse ein. Und das spektakulär erfolgreich. Der Slowake Pavol Zencar, der wohl größte Konkurrent von Max Leograndis, nutzt die sportliche Stribog RSR A3 und setzte sich damit bei der Weltmeisterschaft gegen alle anderen durch. Das System der Stribog beweist damit seine Zuverlässigkeit und seine Performance, auf die man sich verlassen kann. 

Abbildung 10: Der Gewinner des IPSC PCC World Shoots 2025 in der Open Devision Pavol Zencar mit seiner Grand Power Stribog. Quelle: Pavol Zencar , https://www.instagram.com/p/DJ6wVgYifwm/?hl=de&img_index=1, 2025.

Besonders an dem System von Grand Power ist, dass es völlig verschieden von den bisher vorgestellten Systemen aufgebaut ist. Bei diesem System gibt es keine Trennung zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger. Der Stoßboden der Patronenhülse ist direkt in den Verschluss eingearbeitet, wie bei einem reinen Masseverschluss. Um Platz nach hinten zu gewinnen, ist die Verzögerungseinheit über der Laufachse angeordnet und nach vorne gerückt. Dadurch ergibt sich genug Platz im hinteren Teil der Waffe, um den Rücklauf des Verschlusses im Gehäuse zu ermöglichen. Damit ergibt sich keine Notwendigkeit der Platzierung funktionsrelevanter Teile im Hinterschaft, wie es bei AR15-Systemen der Fall ist. Daraus ergibt sich jede Freiheit, den Hinterschaft zu gestalten. 

Abbildung 11: Verschluss der Grand Power Stribog A3. Das System arbeitet mit einer völlig neuen Variante des rollenverzögerten Masseverschlusses. Verzögert wird über eine einzelne, längere Rolle, welche links und rechts in Taschen einrastet. Das Steuerstück liegt in Form eines massiven Quaders vor dem Verschluss und besitzt eine einzelne Steuerfläche im Zapfen, welcher in den Verschlussträger ragt. Quelle: Waffen Paar, https://waffen-paar.at/products/grand-power-stribog-rsr9-a3-g-gen-2-13-kal-9mm-luger, 2026.

Die Verzögerung des Verschlussrücklaufs wird bei der Grand Power Stribog A3 über eine einzelne Rolle realisiert. Diese rastet in der geschlossenen Verschlussstellung in jeweils eine Tasche links und rechts ein. Der Verschluss wird durch die Verschlussfeder nach vorne gedrückt, welche durch eine Bohrung im Verschluss auf die Rückseite des Steuerstücks wirkt. Das Steuerstück ist in diesem Fall ein Zapfen mit einer Ausbuchtung und Steuerkurve für die Rolle. Die Verschlussfeder drückt also den Zapfen nach vorne, der durch die Rolle gesichert wird. Die Steuerkurve lenkt die Rolle zusätzlich nach unten, sodass diese in die Taschen eingreift.  

Abbildung 12: Steuerstück der Grand Power Stribog A3. In schwarz eine quaderförmige Masse, welche die Beschleunigung durch ihre Trägheit verzögert. Die Masse ist mit einem Zapfen mit Steuerfläche verbunden. Es sind verschiedene sogenannte Ladeblöcke (Steuerstücke) verfügbar, um die Steuerfläche auf die verschossene Ladung anzupassen. Quelle: IPSC Store, https://www.ipscstore.com/de/stribog-zubehor/10491-ladeblock-grand-power-stribog-40.html, 2026.

Bei Schussabgabe wirkt die Kraft des Gasdrucks auf den Verschluss und drückt diesen nach hinten. Um die Bewegung nach hinten zu ermöglichen, muss die Rolle nach oben, aus den Taschen herausgedrückt werden. Dieser Weg ist durch das Steuerstück versperrt, weshalb dieses entlang der Steuerkurve nach hinten beschleunigt wird. Um die Beschleunigung zu verzögern, ist am Zapfen des Steuerstücks eine einfache, quaderförmige Masse angebracht. Der Weg der Beschleunigung wird, wie bei den vorherig vorgestellten Systemen, über den Winkel der Steuerkurve bestimmt. Ist das Steuerstück vollständig eingezogen worden, gibt die Rolle den Weg für den Verschluss vollständig frei. 

Abbildung 13: Skizzierter Mechanismus der Grand Power Stribog A3. Beim Schuss wirken auf den Verschluss (grün) die Kräfte der Verbrennungsgase, die diesen nach rechts drücken (die Patrone liegt am unteren Teil des Verschlusses an). Durch die Rückwärtsbewegung des Verschlusses wird die Rolle aus ihrer Tasche nach oben gedrückt. Dabei beschleunigt die Rolle (gelb) die Masse des Steuerstücks (rot) entsprechend der Steuerkurve nach rechts und verzögert so das Öffnen des Verschlusses. Nach der Verzögerung kann der Verschluss nach hinten gleiten. Nach dem Auswurf der Hülse wirkt die Kraft der Verschlussfeder auf das Steuerstück (die Verschlussfeder liegt durch die Bohrung im Verschlussträger am Steuerstück an) und drückt so den Verschluss nach links. Durch die Federkraft wird das Steuerstück in die vordere Position gedrückt und drückt die Rolle über die Steuerfläche wieder in ihre Tasche. Quelle: erstellt von Lorenz Shoots.

Auch Grand Power bietet verschiedene Steuerstücke (Ladeblöcke genannt) an, zur Abstimmung auf die verwendete Munition. Gerade die Stribog ist für den europäischen Markt interessant, da die Verfügbarkeit hier deutlich größer ist als bei US-Importen. Einige Händler bieten die Stribog RSR A3 bereits in einer in Deutschland sportlich zugelassenen Variante an. Besonders das Preis-Leistungs-Verhältnis des PCC ist im Vergleich zu den anderen vorgestellten Produkten unschlagbar. Mit ca. 1800 Euro ist die Waffe deutlich günstiger als die High-End-Produkte aus den USA. Aber auch Waffen einiger deutscher Hersteller mit reinen Masseverschlüssen kann die Stribog preislich unterbieten. In Verbindung mit dem innovativen System und der Erfolgsgeschichte um die Weltmeisterschaft ist die Stribog eine echte Offenbarung für den Markt.

Abbildung 14: Links: Der Verschluss ist geschlossen. Die Rolle wird nach unten in die Tasche gedrückt, und das Steuerstück ist nach vorne geschoben. Rechts: Der Verschluss öffnet sich. Die Rolle wurde nach oben gedrückt, und das Steuerstück wurde nach hinten beschleunigt. Jetzt ist der Verschluss frei und kann nach hinten laufen. GBGuns, https://www.youtube.com/watch?v=Mi07knauq2s, 2026.

Zusätzlich ist die Stribog mit zwei verschiedenen Zuführungen erhältlich. Einmal die Variante der Stribog mit Kompatibilität zu Glock-Magazinen. Die breite Verfügbarkeit von Glock-Magazinen ist ein weiterer Punkt, der die Kaufentscheidung für eine Grand Power erleichtert. Die zweite Variante könnte eine Möglichkeit für Glock-Schützen sein, die nicht auf Magazine mit mehr als 10 Schuss verzichten möchten. Denn Grand Power bietet auch eine Variante mit eigenen Magazinen an, die den Magazinen der CZ Scorpion ähneln, aber nicht kompatibel sind. Diese Magazine sind weniger leicht zu bekommen als die der verbreiteten Glock; dafür ist eine Doppelnutzung mit anderen Kurzwaffen ausgeschlossen.

Hier endet vorerst die Geschichte der Entwicklung der Rollenverschlüsse. Ausgehend von Kriegswaffen des Zweiten Weltkriegs, hinein in den Kalten Krieg und zur Wiederkehr im sportlichen Einsatz der Gegenwart. Sollten sich weiterhin interessante Neuerungen in der nächsten Zeit auftun, werde ich diese ergänzen oder einen weiteren Teil dieser Reihe verfassen.