Trockentraining ist schädlich!
In diesem Beitrag geht es darum warum Trockentraining schädlich sein kann, aber wieso Du es trotzdem tun solltest.
10/17/20252 min read


Was ist Trockentraining?
Trockentraining ist das Trainieren des Schießens ohne Munition. Die Übungen können sehr einfach sein oder das Training von ganzen IPSC-Parcours beinhalten. Eigentlich unterscheidet sich das Trockentraining kaum vom normalen Training auf dem Schießstand, außer durch die fehlende Munition. Die Übungen können bequem zu Hause durchgeführt werden, aber man kann bzw. sollte auch Übungen ohne scharfen Schuss in das Training auf dem Schießstand einbauen.
Warum soll das schädlich sein?
Beim Auslösen des Schusses wird der Schlagbolzen von der Schlagbolzenfeder oder dem Hahn beschleunigt und schlägt in das Weichmetall des Zündhütchens ein und hinterlässt dort eine Delle. Dabei wird er durch die Umwandlung seiner kinetischen Energie in Deformationsenergie gebremst. Schlägt man nun ohne Patrone im Lager ab, kann er nicht auf das Zündhütchen auftreffen und gebremst werden. Er wird in seiner Bewegung durch das Ende des Schlagbolzenkanals des Verschlusses begrenzt. Dieser ist aus hartem, vergütetem Stahl und ist vom Schlagbolzen weitgehend unbeeindruckt. Daher wird der Schlagbolzen beim Abschlagen ohne Patrone belastet, da er den Großteil der kinetischen Energie selbst abbauen muss. Wiederholt man diesen Vorgang zu oft, kann es passieren, dass der Schlagbolzen beim Aufprall bricht.
So ist es mir bei meinem letzten Match passiert. Es lief alles wunderbar und plötzlich ging nichts mehr: Schlagbolzenbruch. Keine Ersatzteile dabei. Mist. Glücklicherweise konnte ich mit der Glock eines Kollegen weiterschießen.
Deshalb solltest Du es trotzdem tun!
Trotz dieser Gefahr des Verschleißes ist Trockentraining nach wie vor unfassbar sinnvoll. Die meisten Bewegungsabläufe beim Umgang mit Waffen, insbesondere beim IPSC, haben nichts mit der Schussabgabe zu tun. Ziehen aus dem Holster, intuitiv das Visierbild sofort finden, Magazinwechsel, der perfekte Griff, Wechsel von einem Ziel zum nächsten — das alles sind Dinge, für die keine Munition, nicht einmal ein Abschlagen, notwendig sind. Und doch finden sich viele Schützen zu Beginn ihrer Karriere mit Schwierigkeiten beim Magazinwechsel oder beim Finden des Rotpunkts wieder. Dabei müssen diese Dinge nicht jahrelang — einmal alle paar Wochen — auf dem Schießstand im scharfen Schuss trainiert werden. Ganz entspannt, zu Hause auf der Couch oder im Arbeitszimmer, lassen sich diese Dinge mehrmals in der Woche fünf bis 30 Minuten trainieren — je nach Lust und Anspruch. Das Tolle dabei ist, dass man ohne Adrenalin, ohne kritische Beobachtung, ohne Lärm und Rückstoß Dinge ausprobieren und Fehler machen kann (und aus diesen lernen)! Nach wenigen Wochen und Monaten kann man so einigen älteren Schützenkollegen im Trainingsparcours oder Match gefährlich werden!
Und an dieser Stelle haben wir unseren Schlagbolzen noch kein einziges Mal belastet. Natürlich ist das Training des sauberen Abschlagens, ohne äußere Einflüsse zu Hause, ein weiterer Schlüsselaspekt, um deutlich schneller als die meisten ein solides Level zu erreichen. Für mich war von Anfang an klar, dass diese positiven Aspekte des Trockentrainings einen gebrochenen Schlagbolzen nach anderthalb Jahren bei Weitem überwiegen.
Wer trotzdem weiterhin kritisch ist, kann sich gerne Pufferpatronen zulegen und diese ins Patronenlager einführen. Das sind farbige Plastikteile in Patronenform, die dem Schlagbolzen eine weiche Option zum Abbremsen bieten. Diese kosten nicht viel, und du bist auf der sicheren Seite.
Ich hoffe, ich kann den einen oder anderen auf diesem Weg zum Trockentraining überreden. Egal ob mit oder ohne Pufferpatrone: Schau immer — vor jedem Umgang mit einer Schusswaffe — dass sie sicher ist, und stelle sicher, dass beim Trockentraining eine Verwechslung oder die Möglichkeit ausgeschlossen ist, dass scharfe Munition in die Waffe gelangen kann!
Viel Spaß beim Trainieren!